So wird von Organen der Rechtspflege, wie Polizei oder Jugendgerichtshilfe vor allem die Jugendgewalt- und Kriminalitätsprävention in der Vordergrund gestellt.
Im Strafrecht spricht man von Prävention als Vorbeugung gegen künftige Delikte. Die Bevölkerung soll über Maßnahmen der Kriminalitätsverhütung technisch und verhaltensorientiert beraten werden um Straftaten zu verhindern.

Libelle, Tierfotografie auf Leinwand von Arnold Ritter, 60x80 cm, 80 €
In der allgemeinen Straftheorie wird der maßgebliche Zweck von Strafen gegen kriminelles Unrecht neben der Vergeltung in der Prävention gesehen.
Man unterscheidet zwischen der Generalprävention, der Spezialprävention, der negativen und der positiven Generalprävention.
Angefangen von der UN-Kinderrechtskonvention über EU-Vereinbarungen bis hin zu regionalen Projekten gibt es vielfache Einflüsse von politischen Initiativen für Prävention in die Rechtsordnung.
Relativ umfassend geregelt sind Präventionsmaßnahmen im Rahmen des gesetzlichen Arbeitsschutzes, weshalb in diesem Bereich auch effektive Strukturen zur breiten Umsetzung des Präventionsgedankens bestehen, welche in der Prävention für Kinder und Jugendliche überwiegend erst geschaffen werden müssen.
Durch politische Anstösse wurde in den letzten Jahren vor allem die Präventionsforschung voran getrieben, die praktische Umsetzung von spezifischen Präventionsprogrammen in der gesellschaftlichen Breite ist jedoch, bis auf die Durchführung von Aufklärungskampagnen, noch nicht weit gediehen.
Hierzu werden dringend Präventionszentren an sozialen Brennpunkten benötigt, welche die Möglichkeit bieten umfassend Know-How über Prävention multiprofessionell zu vernetzen und anzuwenden.
In der Medizin ist mit Prävention die Gesamtheit der Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge gemeint.
Dabei zielt die primäre Prävention darauf ab, das Auftreten von psychischen Störungen und Gesundheitsgefährdungen zu verhindern, durch sekundäre Prävention sollen Konsequenzen bei schon aufgetretenen Krankheiten verhindert werden und durch tertiäre Prävention soll, im Sinne von Rehabilitation, bereits eingetretenen Schädigungen entgegen gewirkt werden.
So dienen etwa Impfungen der Primärprävention, Früherkennungsuntersuchungen der Sekundärprävention und Diabetiker-Schulungen der Tertiärprävention.
Weitere Präventions-Schwerpunkte werden in der Gesundheitspolitik unter Anderem in den Bereichen Ernährung (z.B. Adipositas und Vermeidung von Folgeschäden), Schutz vor Umweltgefahren, AIDS und in der Förderung spörtlicher Betätigung als allgemeiner Prävention gesetzt.

Gras Insekt, Naturfotografie auf Leinwand von Arnold Ritter, 60x80 cm, 80 €
Im Psychiatrischen Bereich liegt der Schwerpunkt von Präventionsmaßnahmen aktuell bei Früherkennungszentren, vor allem für psychotische Störungen, z.B. FETZ. Ziel ist es dabei, Erkrankungen im Prodromalstadium zu erkennen, um sie medikamentös sowie psychotherapeutisch behandeln zu können, noch bevor die Krankheit voll zum Ausbruch kommt.
Primärpräventiv gibt es bisher für psychische Störungen nur wenige (z.B. PREP „Prevention and Relationship Enhancement Programm“ oder auch EPL „Ein Partnerschaftliches Lernprogramm“ wo Kommunikationswerkzeuge für eine konstruktive Konfliktlösung angeboten werden) oder unzureichende Angebote.
Obwohl solche Massnahmen definitionsgemäß zum Kernbereich der Prävention gehören und obwohl es gerade in der medizinischen und psychologischen Forschung wichtige Erkenntnisse zur Verhinderung der Auftretenshäufigkeit psychischer Störungen gibt wird, sind Strukturen für die Anwendung dieses Wissens bisher wenig ausgebaut.
Sowohl die Suchtprävention als auch die Prävention von Persönlichkeitsentwicklungsstörungen welche mit Dissozialität verbunden sind stellen eine besonders wichtige gesellschaftliche Aufgabe dar.
Die Prävention von Computer-basierten Süchten entwickelt sich gerade als neuer Präventionsschwerpunkt heraus.
Im Bereich der sozialen Arbeit wird unter Prävention die Vorbeugung und Verhütung gegen allgemein unerwünschte Verhaltensweisen, Ereignisse, Vorgänge und Folgen durch ein niedrigschwelliges Kontakt- und Hilfeangebot, z.B. durch Jugendzentren oder Streetworker verstanden.
Bezüglich der Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch wird unter Prävention auch die Erweiterung der Handlungskompetenz gesehen, z.B. durch Sorgerechtsentzug.
Im pädagogischen Bereich wird an Schulen und Betreuungsseinrichtungen versucht den Präventionsgedanken mit einzuweben, was sich bei ungüstigen Gruppengrössen und der Kollision mit der vorherrschenden Selektions- und Elitebildungsideologie jedoch als schwierig erweist.
Bedingungen zu Fördern, die eine gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ist eine umfassende Aufgabe, die einer interprofessionellen herangehensweise bedarf.

Mohnblumen, Naturfotografie auf Leinwand von Arnold Ritter, 50x100 cm, 100 €
Das Anliegen von “schau” – Kompetenzförderung und Prävention GmbH ist möglichst spezifische Primärprävention für Kinder und Jugendliche in der Praxis umzusetzen, Präventionskompetenzen zu vernetzen und eine breite Auswahl von Präventionsprogrammen an einem Ort (Präventionszentrum) anzubieten.
Der Aufbau eines Präventionszentrums für Kinder und Jugendliche an einem sozialen Brennpunkt setzt eine intensive Auseinandersetzung mit dem Problembereich Jugendgewalt, einschließlich der Reflektierung der Geschlechterunterschiede, voraus.
Nach dem Stand der Forschung sind vor allem folgende Risikofaktoren für Jugendgewalt bekannt:
- Persönlichkeitsmerkmale wie Impulsivität, Hyperaktivität, hohe Risikobereitschaft, geringe Frustrationstoleranz, Gewalt befürwortende Ideologien und Männlichkeitsnormen, geringe Empathiefähigkeit
- ungünstige familiäre Konstellationen wie mangelnde elterliche Aufsicht, Kriminalität der Eltern als Modell, geringe emotionale Wärme der Eltern, inkonsistenter und ineffizienter Erziehungsstil, Mißhandlung und Streit zwischen den Elternteilen.
- negative schulische Bedingungen wie die Möglichkeit ohne grösserer Konsequenzen zu Schwänzen, mangelnde schulische Motivation, Leistungsprobleme bei Überforderung, unklare Regeldurchsetzung an der Schule, negatives Schulhausklima, Chancenungleichheit und Perspektivlosigkeit bezüglich der weiteren Berufsausbildung.
- ungünstige Peer-Group Konstellation wie Delinquenz in der Clique, gewaltbefürwortende Normen unter Freunden, Gewöhnung an Gewalt duch intensiven Konsum von aggressionsfördernden Medieninhalten und actionorientierter Lebensstil.
- sozioökonomische Benachteiligung
Insgesamt kann festgestellt werden, dass es besonders sinnvoll ist, wenn Prävention möglichst früh einsetzt, um die effektive Förderung von Lebenskompetenzen erreichen zu können.
Dabei sollten die verschiedenen Präventionsaspekte, wie die Förderung von physischer und psychischer Gesundheit, das Wirken gegen Jugenddelinquenz und der Schutz vor Drogenkonsum und Süchten als Einheit betrachtet werden, um umfassende und maximale Präventionsprogramme entwickeln und anwenden zu können.
Einen integralen Bestandteil von Prävention bei Kindern und Jugendlichen stellt die Förderung der elterlichen Erziehungskompetenz (bzw. der Erziehungspersonen) dar, weshalb ein flächendeckendes Angebot von Problemspezifischen Eltern-Kind-Trainingsprogrammen besonders wünschenswert wäre.
Es ist auch von Bedeutung bei Präventionsmaßnahmen migrationsspezifische Aspekte mit einzubeziehen, weil Jugendliche in interkulturellen Konfliktsituationen einer erhöhten Belastung ausgesetzt sind.
Eine besondere Schwierigkeit besteht hierbei darin bildungsferne Eltern mit Migrationshintergrund und schlechten Deutschkenntnissen zur Mitarbeit zu motivieren, weshalb es günstig erscheint, wenn ein Teil der Mitarbeiter in Präventionsprojekten über biographische Anknüpfungspunkte verfügt.
Die Förderung der psychischen Gesundheit von Heranwachsenden und der Schutz vor der Entwicklung psychosozialer Störungen sollten darüberhinaus beinhalten, dass begleitete Freiräume zur Entfaltung der kreativen Möglichkeiten, und ein Erlebnisraum für normales Sozialverhalten, geschaffen werden.
“schau” beabsichtigt mit dem Modellprojekt des Aufbaus eines Präventionszentrums die Wirksamkeit von intelligent vernetzten Präventionsangeboten unter Beweis zu stellen und im Sinne einer Präventionskampagne darauf hin zu wirken mehr öffentliches und politisches Bewußtsein zur Präventionsidee zu schaffen.
Prävention muss stärker als öffentliche Aufgabe begriffen werden und strukturell so verankert werden, dass Kinder und Jugendliche und deren Eltern einen Rechtsanspruch auf Präventionsleistungen erhalten.